Griechenland in der Krise


Die Griechenlandkrise – ein Hintergrundbericht

Nach der großen Wirtschafts- und Finanzkrise ist die EU-Schuldenkatastrophe um Griechenland das denkwürdigste Ereignis der letzten Jahre im Finanzbereich. Als Anfang 2010 herauskam, dass die Staatsverschuldung in Griechenland im Jahr 2009 einen Wert von über 10% des BIP erreicht hatte und der Schuldenberg mit 110% des BIP die wirtschaftliche Leistung des Landes bei weitem übertraf, läuteten in der EU die Alarmglocken. Schnell war klar, dass Griechenland seine Staatsschulden bald nicht mehr aus eigener Kraft begleichen konnte, so dass eine Staatspleite drohte. Die EU-Finanzminister einigten sich mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) deshalb darauf, Griechenland entsprechende Hilfen in Form von günstigen Krediten zukommen zu lassen. Nachfolgend soll die Griechenlandkrise nun etwas genauer skizziert werden, so dass Anleger letztlich erkennen, welche Folgen dieses Ereignis auf die Entwicklung an den Finanzmärkten nach sich ziehen könnte.

Die griechische Staatsverschuldung resultiert aus versäumten Reformen

Der Hauptgrund für die problematische finanzielle Lage in Griechenland besteht in dem dortigen Sozial- und Rentensystem, denn dort liegt das Rentenalter wesentlich niedriger als in anderen europäischen Staaten und auch der öffentliche Beschäftigungssektor ist sehr aufgebläht, so dass der Staat hohe Personalkosten zu tragen hat. Ferner gibt es auch Probleme im Sozialsystem, welches Meldungen zufolge selbst kurz vor dem Kollaps steht. Da es leider bereits vor Jahren versäumt wurde, entsprechende moderate Reformen einzuleiten, steht Griechenland nun vor Finanzproblemen, die nur schwer zu bewältigen sind, was die Schuldenkrise in der EU einleitete.

Griechenland kann auf den Finanzmärkten kaum noch Kredite aufnehmen

Die Folge der griechischen Schuldenkrise bestand in erster Linie darin, dass es für die griechische Regierung nahezu unmöglich wurde, neues Kapital auf den Märkten einzusammeln. Investoren behandeln Staaten im Regelfall nämlich nicht anders als andere Kreditnehmer und fordern für ein höheres Ausfallrisiko entsprechende Risikoaufschläge bei der Verzinsung. Als Beispiel können hierbei deutsche Staatsanleihen dienen, für die der Staat aktuell lediglich rund 2,70% p.a. bezahlen muss, wohingegen die Zinsen für griechische Anleihen auf den Sekundärmärkten mit bis zu 15% p.a. jährlich angegeben werden. Bei einer solchen Zinsbelastung würden sich weitere Staatsanleihen für den griechischen Staatshaushalt äußerst belastend auswirken und die Handlungsfähigkeit des Staates weiter extrem beschränken.

Mit einem Rettungspaket wollten die EU-Finanzminister und der IWF das Problem lösen

Das erste große Rettungspaket aus dem letzten Jahr umfasste Kredite in einer Höhe von insgesamt 110 Milliarden Euro bis zum Jahr 2012. Diese sollten durch den IWF und die einzelnen EU-Staaten aufgebracht werden, wobei Griechenland immer nur kleine Tranchen an erhält, um die Sparfortschritte des Landes besser überwachen zu können. Im Gegenzug musste sich die griechische Regierung dazu verpflichten, Einsparungen durch Reformen in Höhe von mindestens 30 Milliarden Euro zu erzielen. Zu diesem Zweck wurden Rentenkürzungen, Einstellungsstopps im öffentlichen Sektor und auch Steuerhöhungen durchgesetzt.

In einem Zwischenbericht wurden deutliche Probleme in Griechenland aufgezeigt

Als im Juni 2011 ein Zwischenbericht der Troika aus Europäischer Zentralbank, Europäischer Kommission und IWF ergab, dass die Helenen auch im Jahr 2012 noch auf weitere Hilfskredite angewiesen sein werden, reagierten die Finanzmärkte entsprechend heftig. Für 2010 wurde in dem Bericht ein Negativwachstum der griechischen Wirtschaft in Höhe von 4,5% ermittelt und für das Jahr 2011 wurde eine Prognose in Höhe von minus 3,8% ausgegeben. Da dies auch für die Entschuldung des Landes eine große Hürde darstellte und die vorherigen Prognosen in negativer Hinsicht bei weitem übertraf, standen die Beteiligten plötzlich vor der Situation, ein neues Hilfspaket schnüren zu müssen. Der Kreditbedarf Griechenlands für die Jahre 2012 bis 2014 wurde zu diesem Zeitpunkt auf weitere 120 Milliarden Euro geschätzt, wobei es vor allem in Deutschland Vorbehalte gegen weitere Hilfen gab. So wurde hierzulande die Forderung laut, private Gläubiger wie die Banken an dem zweiten Hilfspaket zu beteiligen.

Das Sparpaket – Griechenland unternimmt noch größere Anstrengungen

Die griechische Regierung hat mittlerweile ein noch ehrgeizigeres Sparpaket auf den Weg gebracht und will auf diese Weise weitere 78 Milliarden Euro bis zum Jahr 2015 einsparen. Neben Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Rahmen von 28 Milliarden Euro sind zudem auch Privatisierungen vorgesehen, die insgesamt 50 Milliarden Euro in die Kassen Griechenlands spülen sollen. Als das Sparpaket Ende Juni 2011 im Parlament abgesegnet wurde, reagierte das Volk mit wütenden Protesten und kündigte große Streiks an.

Das zweite Hilfspaket – weitere 109 Milliarden Euro und eine Beteiligung privater Gläubiger

Am 21. Juli 2011 haben sich EU-Finanzminister darauf geeinigt, Griechenland weitere Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro zukommen zu lassen. Dabei soll der Zinssatz von bisher 4,5% auf 3,5% pro Jahr abgesenkt werden und die Laufzeit wird von bisher 7,5 auf 15 Jahre gestreckt, was den Griechen eine Atempause im Kampf gegen den Schuldenberg beschert. Darüber hinaus sollen sich private Gläubiger wie Banken mit bis zu 37 Milliarden Euro an dem Paket beteiligen, indem sie ihre bisherigen Anleihen gegen neue mit längeren Laufzeiten austauschen. Ferner wurde beschlossen, dass die Banken  weitere 12,6 Milliarden Euro dadurch beisteuern, indem sie Teile ihrer Anleihen mit einem Abschlag an den europäischen Rettungsfonds EFSF verkaufen. Ob diese Maßnahmen und das Sparpaket der griechischen Regierung letztlich ausreichen, um die Krise endgültig zu bewältigen, wird wohl nur die Zeit zeigen können.

Was hat die Griechenlandkrise für Auswirkungen auf deutsche Anleger?

Für viele Anleger ist die Griechenlandkrise bisher eine Schlagzeile, die zwar stets als schlimm bezeichnet wird, jedoch stellt sich dabei die Frage, was genau diese Krise bedeutet und welche Probleme eine Staatspleite Griechenlands mit sich bringt. Würde tatsächlich ein Staat innerhalb der Europäischen Währungsunion zahlungsunfähig, hätte dies zunächst schlimme Auswirkungen auf den Euro. Die Anleger würden einer Währung, die zu einem bankrotten Staat gehört, nicht mehr vertrauen, so dass es zu einem enormen Wertverlust und einer Flucht institutioneller Anleger in andere Währungen oder Rohstoffe wie Gold kommen würde. Von einem solchen Imageschaden würde sich der Euro nur schwer erholen, wobei nicht einmal klar ist, ob die Europäische Währungsunion einer solchen Pleite standhalten und nicht vielleicht sogar auseinanderbrechen würde, was mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit eine wirtschaftliche Krise ungeahnten Ausmaßes nach sich ziehen könnte. Darüber hinaus befürchten sehr viele Experten, dass eine Zahlunfähigkeit Griechenlands sich auch auf andere gefährdete Länder der EU übertragen könnte, so dass die Staatsanleihen dieser Länder mit der Zeit ebenfalls an Wert verlieren. Weitere Informationen zu Staatsanleihen lassen sich auf Geldanlage-Anbieter.de finden.

An den Aktienmärkten würde die Nervosität regieren

Der bisherige Verlauf der Griechenlandkrise hat gezeigt, dass auch die Aktienkurse sehr volatil auf die Krise reagieren. Äußerst viele Anleger scheinen das Problem ziemlich ernst zu nehmen, so dass es auch dort zu großen Schwierigkeiten kommen könnte, falls die Problematik um die EU-Schuldenkrise nicht zu einer tragfähigen und langfristigen Lösung geführt wird.

Fazit – eine Pleite Griechenlands wäre nicht wünschenswert

Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass eine Krise Griechenlands aus vielen Gründen nicht wünschenswert wäre. Die Verlässlichkeit des Euro und auch die Sicherheit an den Finanzmärkten könnten empfindlich gestört werden, was letztlich schwere Folgen für die gesamte Weltwirtschaft hätte. Es bleibt nun also zu hoffen, dass die ergriffenen Maßnahmen der griechischen Wirtschaft helfen werden und dazu führen, dass der Staat sich spätestens 2014 wieder selbst mit Kapital über die Märkte versorgen kann.

Dieser Beitrag wurde als Gastbeitrag von Frau Baltes zur Verfügung gestellt.

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EIN KOMMENTAR ZUM Artikel

  1. Stefan Wehmeier hat diesen Kommentar am 23. Juli 2011 geschrieben| Permalink

    Der bevorstehende Crash

    Aus allen bisher gewonnenen Informationen über das noch vorhandene Restvertrauen der Anleger, den verbliebenen Spielraum der hohen Politik (Restvertrauen in Staatsanleihen) und die so genannte öffentliche Meinung lassen sich die bevorstehenden Ereignisse, die bis jetzt nur theoretisch beschrieben werden konnten, etwas konkreter vorhersagen. Das gilt sowohl für das Was als auch für das Wann, auch wenn eine zeitliche Vorhersage immer sehr gewagt ist und mehr intuitiv als rational erfasst werden muss.

    Sicher ist, dass die Weltwirtschaft insgesamt wieder anfangen wird zu schrumpfen, dass der Schrumpfungsprozess schneller ablaufen wird als 2009, und dass die hohe Politik keine Möglichkeit mehr hat, den Prozess zu verlangsamen oder gar aufzuhalten. Das erscheint zunächst als ein negativer Ausblick, der jedoch positiv zu werten ist, denn der endgültige Zusammenbruch des noch bestehenden, kapitalistischen Systems ist die Voraussetzung dafür, dass der Glaube an dieses System verloren geht und die Religion (selektive geistige Blindheit gegenüber makroökonomischen Konstruktionsfehlern) überwunden werden kann.

    Wahrscheinlich ist, dass der Crash noch in diesem Jahr stattfinden wird, und dass der Schrumpfungsprozess schon im August einsetzt. Ab diesem Zeitpunkt ist die gesetzlich verbindliche Ankündigung der Natürlichen Wirtschaftsordnung (freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus = echte Soziale Marktwirtschaft) mindestens in der Bundesrepublik Deutschland die einzig verbleibende Möglichkeit, den Schrumpfungsprozess aufzuhalten!

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/was-passiert-wenn-nichts-passiert.html

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